Bike Together – Ein Tandemabenteuer

Touren / Asien 2004

Malaysia

Februar bis Oktober 2004

31. Tag: Singapur – Kuala Lumpur

Mit der aufgehenden Sonne erreichte ich Kuala Lumpur. Am Tag zuvor hatte ich schon ein Bett in einem Hostel reserviert, aber es zu finden war nicht so einfach. Die Straßen sind recht verwirrend angelegt, ständig gibt es Über- und Unterführungen, und wenn man dann noch mit den Wegweisern nichts anfangen kann, wird es schwierig. Grob orientierte ich mich an den Petronas Towers, doch die Straßen führten mich immer wieder in eine andere Richtung. Nach einer Stunde hatte ich das Hostel gefunden, ließ mein Gepäck dort und machte mich auf zur Rennstrecke. Auf dem Weg zum Bus traf ich eine Gruppe Engländer, die auch zum Rennen wollten und auf ein Taxi warteten. Ich konnte mitfahren, denn zu viert wird es für alle billiger. So zahlte jeder für die über 60 Kilometer gerade mal 4 Euro.

Ich hatte mir eine „Hillstand“-Karte besorgt. Von dort aus konnte ich zwei Kurven und eine Gerade sehen – eine Leinwand oder einen Streckensprecher gab es leider nicht. Etwa eine Stunde vor dem Rennen donnerte es gewaltig: Eine Flugzeugstaffel des malaysischen Militärs flog über das Gelände und zeigte im Tiefflug ihr Können. Nicht schlecht! Loopings, Rollen … Dann kam die Einführungsrunde, und ich bekam schon mal einen Vorgeschmack darauf, welcher Lärm in den nächsten zwei Stunden auf mich zukommen würde. Ich sah alle Fahrer relativ langsam an mir vorbeifahren, was mir später beim Wiedererkennen aber nicht viel half. Die ersten drei Runden waren noch recht spannend, die Reihenfolge war mir noch klar, doch dann verlor ich völlig den Überblick. Die Autos (Teams) konnte ich noch erkennen, die Fahrer – keine Chance! Nach einer Stunde wurde es doch recht langweilig: Man schaute kurz einem schnellen Auto hinterher und wartete dann auf das nächste. Es wurden auch immer weniger Autos, aber keiner wusste, was mit ihnen passiert war bzw. welcher Fahrer nicht mehr dabei war. Von der Taktik bekam ich nichts mit, außer ein bisschen von Michael Schumachers: „Ich bleibe das ganze Rennen vorne, und mich darf keiner überholen, sonst fahre ich nicht weiter!“ Überholmanöver oder mal einen richtigen Crash sah ich auch nicht. Ach doch, einen Motorplatzer konnte ich sehen, der war aber nicht so beeindruckend. Auf einmal fuhren die Autos ganz langsam, und Michael hatte gewonnen. Wer dahinter landete, habe ich erst einen Tag später aus der Zeitung erfahren. *g* Ach, es war schon recht witzig, aber mehr als die 25 Euro, die ich für die Karte bezahlt hatte, würde ich nicht noch einmal ausgeben. Da schaue ich mir lieber ein schlechtes Spiel vom Club an – da sehe ich wenigstens das ganze Spielfeld und nicht nur die Eckfahne.

Am Abend traf ich noch Daniel aus Deutschland und Sam aus England, die mir schon in Singapur über den Weg gelaufen waren. Wir teilten uns hier ein Zimmer und verabredeten uns, am nächsten Tag zusammen die Stadt zu erkunden. Sam blieb leider auf der Strecke, weil ein Geldautomat seine einzige Geldquelle, die Visakarte, gefressen hatte!

32. Tag: Kuala Lumpur

Wir machten uns also zu zweit auf und bestaunten die Petronas Towers (452 m), die malaysische Bürokratie (bei der Einreise hatte ich leider keinen Stempel in den Pass bekommen – entweder hatte ich da im Zug geschlafen, oder es gab gar keine Kontrolle! Der Stempel ist sehr wichtig, damit ich das Land ohne größere Probleme wieder verlassen kann. Nach zwei Formularen, fünf Schaltern und anderthalb Stunden Warten hatte ich ihn endlich im Pass und durfte mich von nun an legal im Land herumtreiben), Mid Valley (das größte Shoppingcenter Malaysias), die Monorail (sie fährt auf Stelzen durch die Stadt, und man hat einen hervorragenden Ausblick), Chinatown mit seinen Märkten und den KL Tower. Wir hatten viel Spaß und einen rundum schönen Tag.

Am Abend gab es eine neue Zimmerbesetzung: ein Kolumbianer, der sich in jedem Land irgendein technisches Gerät gekauft hatte und jetzt mit seinen verschiedenen Steckern und Adaptern kämpfte – meistens brauchte er mindestens zwei Adapter, um eins seiner Geräte zu betreiben. Dann eine Australierin mit drei Fotoapparaten, von denen keiner funktionierte: Netzteil verloren, Akku kaputt oder gleich die ganze Kamera im A… Dazu Daniel, der bald nach Hause flog und Angst um sein Übergepäck hatte, und ich, der vergeblich versuchte, unnützes Zeug zu verticken bzw. zu verschenken. Aber keiner wollte mein kaputtes Stativ (ich habe mir heute ein neues gekauft), meinen kleinen Weltempfänger, den ich auf Sumatra sehr billig erstanden hatte, mit dem ich die Deutsche Welle aber so gut wie gar nicht empfangen konnte – und auch nicht das Foto von dieser „supernetten“ Medan-Tussi! Das bin ich auch nicht losgeworden! *g* Wir hatten noch viel Spaß an dem Abend, fielen aber gegen 1 Uhr nach den Anstrengungen des Tages ins Bett.

33. Tag: Kuala Lumpur – Tapah (156 km, 800 Höhenmeter, 7:20 h Fahrzeit, 35–40 Grad, Sonne mit wenigen Wolken)

Relativ leicht fand ich den Weg aus KL hinaus. Bald war ich auf der Straße Nummer 1, der ich den ganzen Tag treu blieb. Landschaftlich war es total langweilig: flach, nicht viel zu sehen, und die Straße war recht stark befahren. In einer Pause wollte ich ganz lässig einen kalten Drink bestellen. An den Nachbartischen bekamen die Gäste große Gläser mit Eis in lecker aussehenden Farben. Voller Erwartung nannte ich einfach irgendeinen Namen von der Karte, in dem „Litschi“ vorkam – nachfragen wollte ich nicht. „Ich bin schon so lange auf Tour, da macht man so etwas nicht mehr.“ Etwa fünf Minuten später bekam ich eine dampfende Schale mit heißem Litschisaft und Nüssen darin! Ich werde nie wieder einfach so etwas bestellen! Es war zwar recht lecker, aber bei 40 Grad hätte ich eine andere Erfrischung gebraucht. Tapah, wo ich übernachte, ist nicht so der Hit: Die Hotels sind überteuert, und sonst ist auch nichts los. Immerhin habe ich ein recht billiges Internetcafé gefunden!

34. Tag: Tapah – Tanah Rata, Cameron Highlands (62 km, 1630 Höhenmeter, 5 h Fahrzeit, 27–35 Grad, Sonne und wenige Wolken)

Mein Superhotel habe ich hungrig verlassen, denn Frühstück war nicht im Preis inbegriffen, und noch mehr Geld wollte ich denen nicht geben. Schon nach fünf Kilometern fand ich aber ein nettes Frühstückscafé, wo es mal nicht nur süßes Zeug gab wie gestern überall. Wow, ein richtiges Büfett mit Reis, Nudeln und Gemüse! Genau das Richtige. Die restlichen Kilometer ging es mehr oder weniger steil den Berg hinauf. In einem kleinen Ort hat mich ein Chinese zum Essen eingeladen! Danach kam ich noch an einer Teeplantage vorbei, und das war’s. Bzw.: Ich habe keine Lust mehr zu schreiben! *g*

Snacks vom Straßenstand
Snacks vom Straßenstand

Nachtrag: Am Nachmittag hatte ich TJ kennengelernt, einen sehr netten Holländer auf Weltreise. Wir verstanden uns recht gut. Er ist nicht der typische Backpacker: Er hatte auf Borneo einen Monat im Dschungel verbracht und auch eine Weile in Singapur gearbeitet. Es war schön, mal wieder mit jemandem etwas zu unternehmen und sich gut zu unterhalten.

35. Tag: Tanah Rata (20–24 Grad, Sonne und starke Bewölkung)

Erst mal war Ausschlafen angesagt. Danach beschlossen wir, zusammen eine kleine Wanderung zu machen. Dafür sind die Cameron Highlands berühmt: Man kann dort bei recht kühlem Klima gut wandern. Das bestätigte sich aber nur zum Teil. Der Weg war recht spärlich und kreativ markiert, also nahmen wir zur besseren Orientierung noch eine „offizielle Wanderkarte“ mit. Die glich allerdings eher einer Schatzkarte aus einem Comicheft als einem echten Hilfsmittel: Der Maßstab war verzerrt, nicht alle Wege waren eingezeichnet, Höhenlinien gab es keine … Das Ergebnis: Schon nach 500 Metern hatten wir den Weg verloren und kämpften uns mit Stöcken durchs Unterholz. Als wir an eine kleine Lichtung kamen, standen wir fast mitten in einem Dorf. Wir hatten nur ein dummes kleines Wäldchen durchkämmt – wie kleine Kinder, die meinen, sie müssten neue Wege durch die Büsche der Nachbarschaft erforschen. Dann fanden wir aber doch noch den richtigen Weg und konnten die Wanderung genießen. Leider spielte das Wetter nicht mehr mit, sodass uns die angeblich so schönen Ausblicke verborgen blieben und wir oft nur eine weiße Wand vor uns sahen.

36. Tag: Tanah Rata – Ipoh – Taiping (170 km, 1450 Höhenmeter, 7:50 h, 20–36 Grad, erst Sonne, dann Regen)

Die ersten Kilometer führten noch bergauf und bergab durch die Cameron Highlands. Immer wieder sah ich riesige Gewächshausanlagen, in denen fast alle erdenklichen Obst- und Gemüsesorten angebaut werden. Es gibt Erdbeeren zum Selberpflücken wie bei uns in Franken, Kartoffeln und natürlich auch typisch tropische Früchte – das kühle Bergklima begünstigt den Anbau. Nach 40 Kilometern ging es endlich in die ersehnte Abfahrt. Schließlich mussten die 1500 Höhenmeter noch vernichtet werden! Hier ist eine ganz neue Straße durch die Berge gebaut worden. Mit massiven Baumaßnahmen – teilweise wurde der Hang über seine gesamte Höhe abgestützt – hat man die dreispurige Straße ins Tal geführt. Ob das den Naturgewalten standhält, wird sich erst zeigen, denn wenn es hier mal richtig regnet, geht einiges den Hang hinunter.

Trotzdem genoss ich die lange Abfahrt, und gegen Mittag hatte ich die 100 Kilometer schon hinter mir. Für die Weiterfahrt empfahlen mir alle möglichen Leute die Autobahn, also nahm ich sie. An der Mautstation hingen zwar ein paar große Schilder mit einem durchgestrichenen Fahrrad, aber freundlich grüßend und zügig fahrend kam ich ohne Probleme durch. Es begann wieder zu regnen, was mich nicht wirklich störte – es ist eher eine angenehme Erfrischung. Bei diesen Temperaturen muss ich mich nicht in Regenklamotten hüllen, ich lasse mich einfach nass werden. Nach 20 Kilometern kam leider ein zwei Kilometer langer Tunnel. Der war nicht so der Hit: Es regnete dort zwar nicht, aber vom Seitenstreifen war fast nichts mehr übrig. Mir blieb nur, zu beschleunigen, um den Geschwindigkeitsunterschied zu den vorbeifahrenden Autos so gering wie möglich zu halten. Es klappte recht gut, aber ich war doch froh, als ich wieder draußen war. Zur Belohnung sah ich direkt neben der Autobahn einige Rieseneidechsen, bis zu einem Meter groß! An den vorbeidonnernden Autos störten sie sich gar nicht, nur wenn ich anhielt, um ein Foto zu machen, waren sie sofort weg. Irgendwann überholten mich zwei Streifenwagen mit Blaulicht. „Oje, jetzt bin ich dran“, dachte ich, aber sie fuhren einfach vorbei. Erst fünf Kilometer später hatten sie eine Verkehrskontrolle aufgebaut, und da wurde ich natürlich herausgewunken. Sie wollten sich aber nur ein bisschen mit mir unterhalten und wissen, woher ich komme und wohin ich fahre. Als ich erzählte, dass ich nach China will, meinten sie nur, das sei genau die richtige Straße, und wünschten mir gute Fahrt. Kein Tag läuft wie geplant: Der Regen setzte wieder ein, und ich hatte einen Platten. Ich kann mir kaum etwas Schöneres vorstellen. Dabei bemerkte ich auch, dass sich die Hinterachse gelockert hatte. Ich fuhr noch in die nächste Stadt und suchte ein Fahrradgeschäft auf, aber das passende Werkzeug hatten sie nicht, sodass ich es nur notdürftig reparieren konnte. Morgen komme ich nach Georgetown, dort werde ich sicher das richtige Werkzeug finden.

Nach langer Suche fand ich ein Hotel zu gerade noch akzeptablen Preisen. Dem Mann an der Rezeption überließ ich meinen Personalausweis, damit er die nötigen Daten abschreiben konnte, während ich Gepäck und Fahrrad ins Zimmer trug. „Warum müssen die billigsten Zimmer immer ganz oben sein?“ Als ich zurückkam, sah ich, dass ich jetzt „Stadt Erlangen“ hieß und in der „Elsel Street“ in „Franz Bernward Town“ wohnte! Ich bestätigte ihm, dass er alles richtig übernommen hatte, und ging lachend auf mein Zimmer. Zum Abendessen ging ich in die Stadt und fand zwei „Food Markets“. Die sind der Wahnsinn! Auf jedem gab es etwa 70 verschiedene Essens- und Getränkestände, an denen man sich aussucht, worauf man Lust hat. Ich aß mich erst einmal durch den einen oder anderen Stand. Nach 170 Kilometern brauchte ich schon einiges, um die Speicher wieder aufzufüllen!

37. Tag: Taiping – Georgetown (100 km, 250 Höhenmeter, 4:30 h, 28–37 Grad, Sonne und leichte Bewölkung)

Landschaftlich war der Tag nichts Besonderes, es war halt flach. Die ersten Kilometer fuhr ich auf einer normalen Landstraße. Als die aber immer voller wurde, nahm ich doch wieder die Autobahn. An einem Rastplatz gesellte sich ein Straßenarbeiter zu mir. Wir unterhielten uns ein wenig: Er muss sechs Tage die Woche arbeiten und spielt in einer Mannschaft dieses volleyballähnliche Spiel, bei dem man die Hände nicht benutzen darf (Sepak Takraw). Dann schenkte ich ihm eine von meinen indonesischen Zigaretten, und seine Augen fingen richtig an zu leuchten. Die saustarken Zigaretten müssen wohl etwas Besonderes sein! Mein Vorhaben, über die längste Brücke Asiens zu fahren, scheiterte leider: Den Beamten am Kontrollposten konnte ich nicht überreden, mich durchzulassen. Ich erzählte ihm einiges, aber es half nichts. Na gut, dann eben die Fähre nach Georgetown. In Georgetown fand ich wieder ein billiges Hostel und ein Fahrradgeschäft – und ich traf, zu unser beider Erstaunen, TJ wieder! Wir schlenderten zusammen durch die Stadt, machten eine vierstündige Internetsession (es war so billig, da konnten wir nicht anders, und dabei kann ich mich so gut entspannen!) und tranken abends noch ein paar Bier. Ich bin nichts mehr gewöhnt! Vier kleine Bier und ein Likör, und ich spürte es schon – vor allem am nächsten Morgen. Dazu noch wenig Schlaf: keine gute Mischung.