Im Oktober 2002 stand meine Entscheidung fest: Im Sommer 2003 mache ich einen Ironman mit. Den Winter über brachte ich mir in mühsamer Arbeit das Kraulschwimmen bei, und im Februar konnte ich endlich den ersten Kilometer am Stück kraulen. Ich ging etwa vier- bis fünfmal die Woche ins Bad und lief dazu täglich eine halbe Stunde. Noch lief die Vorbereitung sehr gut, doch dann kamen die ersten Wehwehchen: Ich bekam eine Knochenhautentzündung an beiden Schienbeinen, und das Lauftraining war erst einmal beendet. Durch intensive Behandlung und neue Laufschuhe konnte ich im April wieder mit dem Training beginnen.
Leider hatte ich eine leichte Erkältung verschleppt, aus der sich eine wunderbare chronische Nebenhöhlenentzündung entwickelte. Ab Pfingsten musste ich das Training komplett einstellen und bekam ein Antibiotikum. Das bewirkte allerdings eher das Gegenteil, denn mein Körper reagierte allergisch darauf. Erst zehn Tage vor dem Start konnte ich wieder trainieren.
Und so rückte Zürich immer näher. Ich ließ mich noch einmal von allen Ärzten durchchecken und bekam von allen grünes Licht.
Am Wochenende begleiteten mich Lisa und Florian als Physiotherapeutin und sportlicher Leiter. Am Samstag ging es um 4 Uhr los nach Zürich, wo wir um 10 Uhr ankamen. Wir nisteten uns zu überhöhten Preisen auf dem überfüllten Zeltplatz ein und begutachteten den Zielbereich und das ganze Geschehen drumherum. Oje, und da war auch schon die Schwimmstrecke! Die erste Boje konnte ich nur ganz klein erkennen – verdammt, da muss ich zweimal herumschwimmen! Die Nervosität stieg deutlich. Am Abend gönnte ich mir noch ein Bier zum Einschlafen.
Um 4 Uhr klingelte wieder der Wecker. Flo und Lisa machten mir Frühstück: Nudeln und Müsli. In der Wechselzone herrschte um 6 Uhr schon reges Treiben, dann kam die Begrüßung der Athleten, und die offizielle Wassertemperatur wurde bekannt gegeben: „Ja, man darf mit Neo schwimmen!“ Gestartet wurde im Strandbad, auf 100 Metern Breite reihten sich die Athleten auf. Ich blieb ganz hinten – bloß keine Schläge einkassieren!
Und da fiel der Startschuss. Alle strömten ins Wasser, langsam bewegte auch ich mich ins Nass und war bei meinem ersten Ironman und überhaupt ersten Triathlon dabei. Das Schwimmen lief sehr gut. Ich folgte einfach den Füßen der Schwimmer vor mir, und das klappte die ersten 2000 Meter prima. Doch dann fand ich nicht mehr die richtigen Füße und musste mich selbst orientieren, was mir gegen die tief stehende Sonne nicht so gut gelang. Wenn ich dann einen anderen Schwimmer kreuzte, wusste ich: „Einer von uns beiden ist in die falsche Richtung unterwegs!“ Dass das meistens ich war, muss ich wohl nicht erzählen.
Nach anderthalb Stunden erreichte ich schließlich das Ufer. Mein Bauch hatte sich ganz schön mit Wasser und Luft gefüllt. Macht nichts, jetzt kommt mit dem Radfahren meine Paradedisziplin, bei der ich mich fürs Laufen wieder erholen kann.
Die Radstrecke bestand aus einer 60-km-Runde mit etwa 500 Höhenmetern, die dreimal gefahren werden musste. Die ersten 80 km liefen wie geplant, doch dann kam am Berg mein Einbruch: Ich bekam Krämpfe, und das Radfahren wurde zur Qual. Dazu kam noch kräftiger Gegenwind, der einen sogar in den Abfahrten zum Treten zwang. Die Verpflegung war bestens organisiert, alle 20 km bekam man neue Trinkflaschen, Energieriegel und Bananen gereicht. Völlig entkräftet und von Krämpfen geplagt erreichte ich nach sieben Stunden die Wechselzone.
Oje, jetzt geht’s ans Laufen, die Disziplin, die ich gar nicht mag! Nun waren meine Begleiter gefordert, mich durch den Marathon zu bringen. Schon nach den ersten Metern begann es zu regnen, was die meisten Zuschauer von der Strecke vertrieb. Dadurch konnten mich Lisa und Flo fast auf der gesamten Strecke mit dem Fahrrad begleiten.
Alle 5 km musste Lisa mir die Beine dehnen, damit die Krämpfe gerade noch erträglich blieben. Doch nach 14 km fühlte ich mich wieder relativ frisch! Unglaublich: Beim Radfahren breche ich ein, und beim verhassten Laufen erhole ich mich. Natürlich war es kein Spaziergang, aber ich bekam richtig Freude am Wettkampf, und als an einer DJ-Station extra für mich „Mensch“ gespielt wurde, war das Rennen perfekt! Den Regen spürte ich nicht mehr, und auf dem letzten Kilometer wurde mir bewusst, dass ich es wirklich schaffe und sich die Entbehrungen und das Training gelohnt haben. Für einen Augenblick war ich der „Größte“. Nach 13:45 Stunden erreichte ich das Ziel. Die Zeit ist nicht gerade besonders, aber ich war überglücklich, trotz der schlechten Vorbereitung überhaupt angekommen zu sein.
Besonderer Dank gilt meinen beiden Begleitern Lisa und Flo, die toll für mich gearbeitet haben, meinem Arzt Michael sowie Renate und Werner, die mir ihren Bus zur Verfügung gestellt haben.
Danke




