Bike Together – Ein Tandemabenteuer

Mit einem kräftigen Rütteln setzt der Flieger auf der Landebahn in Kairo auf. Fast im selben Moment stehen die ersten Passagiere im Gang und mühen sich, ihr Handgepäck aus den Fächern zu holen. Wer als Erster aus dem Flieger kommt, hat das gute Gefühl, diese Schlacht gewonnen zu haben – und den ersten Platz in der Schlange an der Passkontrolle. Ich gebe mich geschlagen und trotte entspannt als einer der Letzten aus dem Flugzeug. Wenig später erreiche auch ich die Passkontrolle und bekomme für 15 Dollar einen schönen, funkelnden Aufkleber in den Pass. Gegen drei Uhr morgens habe ich all mein Gepäck vom Band geklaubt, das Fahrrad ist wieder als solches zu erkennen, und ich verabschiede mich winkend von den Polizisten, die mir beim Zusammenschrauben zugeschaut haben. Einer meint noch stolz: Wenn ich mal im Fernsehen komme, kann er seinem Sohn erzählen, dass er mir geholfen hat! Ich dränge mich durch die Menschentraube, die auf ihre Ankömmlinge wartet, und betrete afrikanischen Boden.

Talaat HarbFoto aus Ägypten

Die Luft ist auch in den frühen Morgenstunden noch sehr warm, und die Straßen sind für die Uhrzeit erstaunlich voll. Immer wieder frage ich Polizisten, die am Straßenrand Wache schieben, nach dem Weg ins Zentrum und nähere mich so der „Downtown“ der 19-Millionen-Metropole. Doch auf einmal finde ich mich auf einer Hochstraße wieder, und es gibt kein Zurück mehr: zwei Fahrspuren in nur eine Richtung, begrenzt von einer anderthalb Meter hohen Betonmauer, über den Dächern von Kairo. Erst denke ich, es sei eine normale Brücke, aber dafür ist sie zu lang. Nach etwa fünf bis zehn Kilometern kommt endlich die erste Ausfahrt, und ich kann die Stadtautobahn verlassen. Nach insgesamt anderthalb Stunden Fahrt erkenne ich in der Ferne das Hilton-Hotel – endlich ein Orientierungspunkt. Jetzt kann ich zum ersten Mal meine Position auf dem Stadtplan bestimmen. Das Hotel, das ich mir im Internet herausgesucht hatte, ist schnell gefunden. Doch es sieht nicht gerade einladend aus: Eine dicke Stahlkette versperrt eine große Eisentür, daneben ein Klingelknopf mit dem Hinweis auf das Hotel. Nach mehrmaligem Klingeln meldet sich eine verschlafene Stimme und meint nur: „Full, full, come back in afternoon!“ Oh Mann, es ist fünf Uhr früh, und ich bin fertig! Also muss der Lonely Planet für Afrika herhalten und mir eine neue Unterkunft ausspucken. Gleich in der Nähe gibt es ein weiteres Hostel, allerdings im dritten Stock. Ich schleppe das Fahrrad in den Hauseingang und nehme das Gepäck mit nach oben. Ich habe Glück: Die Tür ist offen und die Rezeption hell erleuchtet. Ich bekomme ein einfaches Zimmer und schlafe nach einer wohltuenden Dusche sofort ein.

Foto aus ÄgyptenMarkt

Gleich am nächsten Tag treffe ich vor der Deutschen Botschaft Michael und Sebastian. Die beiden Deutschen sind mit einem Landrover auf dem Weg nach Kapstadt. Da wir die Öffnungszeit verpasst haben, beschließen wir, erst einmal etwas zu essen und die Stadt zu erkunden. Die beiden haben eine sehr gute und preiswerte Unterkunft gefunden, und so wechsle ich am nächsten Tag ebenfalls dorthin. Im siebten Stock des Hauses gibt es eine große Dachterrasse mit ein paar Zimmern rundherum. Hier genießen wir die Abende und halten uns strikt an die islamische Regel, dass Alkohol nur zwischen Sonnenuntergang und Sonnenaufgang getrunken werden darf – jedenfalls ist das unsere Auslegung. Tagsüber schlagen wir uns auf den Botschaften herum und entdecken die Stadt.

Foto aus ÄgyptenFoto aus Ägypten

Um mit der Außenwelt in Kontakt zu bleiben, aber auch um in Ägypten selbst zu telefonieren, kauft man sich am besten eine lokale SIM-Karte. Die gibt es für umgerechnet drei Euro, und auch nationale und internationale Gespräche sind recht günstig. Normalerweise geht man dazu einfach in einen Laden und kauft eine – nicht so Michael. Er ließ sich erst einmal zum Tee einladen, um die Preisverhandlungen in Gang zu bringen, und am Ende bot man ihm nicht nur die SIM-Karte an, sondern auch Jasmin, die Tochter des Ladenbesitzers. So recht wollte er auf den Handel aber nicht eingehen. Da half es auch nicht, dass Jasmin Jungfrau war und sehr gut Tee kochen konnte. Er machte dem Besitzer klar, dass im Landrover kein Platz für Jasmin sei und zu Hause eine Frau auf ihn warte. Nach einer Stunde verließ er schließlich das Geschäft – als stolzer Besitzer einer SIM-Karte.

In Kairo lernte ich auch Mohammed kennen, einen 22-jährigen Ägypter, der am Goethe-Institut Deutsch gelernt hat und jetzt im Ausländerbüro der Universität arbeitet. Mohammed zeigte Sebastian, Michael und mir die ganze Stadt. Fast jeden Abend waren wir mit ihm unterwegs. Er zeigte uns Orte, die wir allein nie gesehen hätten: die Müllstadt, die Totenstadt, und er nahm uns mit auf eine Fahrt mit einem traditionellen Segelboot auf dem Nil. Vorher meinte er noch: „Ihr könnt auch etwas von dem alkoholischen Getränk mitbringen, das die Deutschen so gern trinken.“ – „Bier?“ – „Äh, ja, Bier!“ Unangenehm war uns nur, dass er uns überall einlud und wir nicht einmal versuchen durften, etwas zu bezahlen. Einmal gelang es mir, Tee und Wasserpfeifen zu bezahlen. Als er es bemerkte, wurde er richtig sauer und meinte mit ernster Miene: „Mach das bloß nicht noch einmal!“ Was soll man darauf sagen? Wenn er nach Deutschland kommt, ist er unser Gast.

Wie hieß es so schön bei der WM? „Die Welt zu Gast bei Freunden.“

ZitadelleFoto aus Ägypten

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Talaat HarbTalaat HarbÄgyptenOld TownÄgyptenÄgyptenÄgyptenMarktSchuh MarktMarktWir trinken B ColaEine Stadt auf dem Friedhof

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