Es schien mir, als wäre hier die Welt zu Ende. Endzeitstimmung kam auf: Die entgegenkommenden Autos fuhren am helllichten Tag mit Licht, wenig später verdunkelte sich der Himmel, und ich war mitten in einem Sandsturm. Immer wieder überholten mich vermummte Motorradfahrer, die sich mit ihren Kopftüchern vor dem Sand schützten. Endlich erreichte ich die ersten Häuser von Mokka. Ich hatte keine großen Erwartungen an die Stadt, aber ein bisschen mehr als eine Straße, zahlreiche verfallene Häuser, ein überteuertes Hotel und den Hafen hätte Mokka schon bieten können – immerhin war es einst eine blühende Stadt des Kaffeehandels.
Ich fuhr gleich weiter zum Hafen und erkundigte mich nach einem Schiff nach Djibouti. Nach einigem Herumfragen fand ich ein Boot, das „inschallah“ am nächsten Tag fahren sollte. Natürlich tat es das nicht. Ich beschloss, das überteuerte Hotel zu verlassen und mich auf dem Hafengelände niederzulassen. Auf der Suche nach einem Restaurant traf ich den Kapitän der Al Nuba 2. Er ist Ägypter und fährt mit seinem Frachter gerade die Route Jemen – Somalia. Sofort lud er mich zum Essen ein, und ab da musste ich mich um nichts mehr kümmern: Für Essen war gesorgt, schlafen durfte ich auf dem Deck seines Schiffes, und um die Wartezeit zu verkürzen, angelte ich, unterhielt mich viel mit dem Kapitän und genoss einfach das Leben.
Am Abend des vierten Tages tat sich plötzlich etwas. Das mit Autoreifen voll beladene Boot legte an der Kaimauer an, und aus der Stadt kam ein Pick-up mit zehn Passagieren. Außerdem kam noch ein Radfahrer herangeradelt: Kenny, ein Kanadier, der seit 24 Jahren um die Welt reist. Ich freute mich sehr, ihn zu treffen, und es stand fest, dass wir die ersten Kilometer in Afrika zusammen fahren würden.


Mit Einbruch der Dunkelheit legte das kleine, voll beladene Boot ab, und ich stellte mich auf eine raue Nacht ein – ich hatte bisher nur die abenteuerlichsten Geschichten über diese Überfahrt gehört. Kaum hatte ich es mir auf den Autoreifen bequem gemacht, hielt das Schiff auch schon auf der anderen Seite des Hafens an. Es gab etwas zu essen, und man erklärte uns, dass wir hier die Nacht verbringen und erst am nächsten Morgen weiterfahren würden.
Auf so einer Reise gewöhnt man sich an, alles sehr gelassen zu sehen, und so genoss ich die Nacht unter dem Sternenhimmel auf dem leicht schaukelnden Boot.


Früh am Morgen ging es dann wirklich los, und wir tuckerten mit gemütlichen sechs bis sieben Knoten an der jemenitischen Küste entlang. Die Wellen brachten das Boot immer wieder heftig zum Schaukeln, und als wir das Rote Meer überqueren wollten, drehte der Kapitän um und steuerte eine Bucht an der Küste an. Der Wellengang war zu hoch, also wartete man auf ruhigere See am nächsten Morgen. Am nächsten Tag gelang die Überfahrt ohne größere Probleme. Nur das Toilettenhäuschen, das seitlich am Schiff hing, wurde ab und zu von den hochschlagenden Wellen unter Wasser gesetzt. Nach einer weiteren Nacht auf den Reifen legten wir am vierten Tag nach 160 Kilometern Überfahrt im Hafen von Djibouti an.














