Bike Together – Ein Tandemabenteuer

Nach meinem Abstecher zur Bergkirchweih fällt mir bei der Rückkehr sofort auf, was Afrika ausmacht und das Reisen hier mit einzigartigen Erlebnissen füllt: die Offenheit und Fröhlichkeit, die mir die Menschen fast überall entgegenbringen. So hatte ich gleich auf meiner ersten Etappe tolle Erlebnisse. Landschaftlich war auf der Strecke wenig bis gar nichts geboten. Umso schöner war es, die Menschen auf der Straße zu erleben. Die einheimischen Radfahrer, meist schwer beladen, grüßen mich mit einem „Hello, how are you!“ und dem nach oben gestreckten Daumen. Manchmal kommt es auch zu einem kleinen Rennen, wenn einer meint, mich allzu provokant überholen zu müssen. Der Schnellste war ich noch nie, aber ich habe eine gute Ausdauer – davon können meine Freunde aus der Grundschule ein Lied singen, die ich in der Pause beim Fangen über den ganzen Hof gejagt habe. Also erhöhe ich auch hier nur langsam und über lange Strecken das Tempo, und nach und nach muss einer nach dem anderen erschöpft aufgeben. Oft aber auch gezwungenermaßen, weil bei den China-Rädern schnell die Kette abspringt oder andere technische Probleme auftauchen.

In einem kleinen Dorf suchte ich nach den üblichen Imbissständen an der Straße, an denen es für wenig Geld Pommes gibt. An einer Weggabelung entdeckte ich welche. Als ich in die Straße einbog und die Leute dort (meist andere Radfahrer, die auf Kundschaft warteten) sahen, dass ich zu ihnen kam, fing die ganze Menge an zu jubeln, und sofort war ich von vielen neugierigen Männern umringt. Sie interessierten sich für mein Fahrrad und stellten mir alle möglichen Fragen. Ich machte ihnen klar, dass sie das Fahrrad anschauen, aber nicht anfassen dürfen. Sofort sorgten zwei, drei Männer dafür, dass die Menge Abstand hielt, und ich konnte in „Ruhe“ meine Pommes essen.

Foto aus SambiaFoto aus Sambia

Schon am zweiten Tag erreichte ich die Grenze zu Sambia. Der Übertritt verlief problemlos: Wieder einmal 50 Dollar für das Visum, und schon durfte ich einreisen. Viele Länder haben in letzter Zeit ihre Visagebühren drastisch erhöht, oft wurden die Beträge einfach verdoppelt. Außerdem ist es von Land zu Land verschieden, wer aus welchem Land wie viel zahlen muss. In Sambia haben zum Beispiel Engländer schlechte Karten und müssen 100 Dollar bezahlen. Ich habe auf meiner Reise schon über 500 Dollar für Visa ausgegeben – fast zehn Prozent meiner Reisekasse. Zum Glück war das diesmal das letzte Land mit Einreisegebühr auf meiner Route.

Im Vergleich zu Malawi ist Sambia sehr dünn besiedelt. Zwar stehen immer wieder ein paar Hütten am Straßenrand, aber kleinere Dörfer oder Städte gibt es nur wenige. Deshalb stockte ich in der Grenzstadt Chipata meine Lebensmittelvorräte ordentlich auf, um nicht hungrig in der 500 Kilometer entfernten Hauptstadt Lusaka anzukommen. Schwer beladen ging es also hinein nach Sambia.

Foto aus SambiaFoto aus Sambia

In einer der kleineren Städte traf ich Martijn, einen Holländer, der über ein Entwicklungshilfeprojekt seine Masterarbeit schrieb. Er nutzte die Gelegenheit und begleitete mich drei Tage auf dem Zox-Tandem. Am ersten Abend fanden wir einen Zeltplatz in einer recht guten Lodge und durften das Zelt zwischen den Hütten aufstellen. Als wir gerade kochten, kam einer der Angestellten und meinte, wir seien von Village Chiefs umringt – eine Art Dorfoberhaupt, das man traditionell besonders begrüßen sollte. Er machte es uns vor: Mit leicht gebückter Haltung klatschte er rhythmisch in die Hände. Nach einiger Zeit kamen unsere Nachbarn zum Vorschein, und man sah gleich, dass es wichtige Männer waren – sonst würde ja niemand einen golden glitzernden Anzug tragen. Sie begrüßten uns freundlich, wir deuteten die Begrüßungsgeste an, und sie freuten sich sichtlich und bedankten sich vielmals.

Foto aus SambiaFoto aus Sambia

Am dritten Tag verabschiedete sich Martijn und trat die Rückreise an. Ich machte in einem Camp am Luangwa River halt und gönnte mir einen Tag Pause. Leider hatte das Hinterrad unterwegs schon recht komische Geräusche gemacht, und so blieb mir nichts anderes übrig, als die Nabe einmal zu zerlegen. Beim Öffnen kamen mir schon ein paar Teile entgegen. Offenbar war einiges an Wasser und Dreck eingedrungen und hatte dort einiges zerstört. Ich versuchte, sie mit ein paar anderen Teilen etwas anders zusammenzubauen, damit ich zumindest bis Lusaka kam. Am Abend rollte das Rad zwar wieder, aber so recht trauen konnte ich der Sache nicht.

Es folgte noch eine ziemlich bergige Strecke, und am Ende des Tages fragte ich an einer der kleinen Hütten, ob ich dort mein Zelt aufschlagen dürfe. Man schickte mich gleich zum Headman, der zwei Hütten weiter wohnte. Der Headman steht unter dem Village Chief und ist für sein Dorf verantwortlich. Peter stellte sich gleich vor und war stolz, mich als Gast zu haben. Er zeigte mir auch sofort die Visitenkarte eines Motorradfahrers, der vor einem Jahr bei ihm Station gemacht hatte. Sobald es dunkel war, brachte er mir ein Holzkohlefeuer und setzte sich mit drei Freunden zu mir. Im Gepäck hatten sie einen kleinen Zwei-Liter-Kanister mit selbst gebranntem Schnaps aus Mais und Zucker. In den nächsten zwei Stunden wurde der Kanister leer und die Männer voll. Ich konnte mich zum Glück etwas zurückhalten und trank „nur“ einen Becher von dem Blindmacher. Es war eine lustige Runde, und es war schön zu erleben, wie herzlich ich hier als Fremder aufgenommen wurde.

Am nächsten Morgen war Peter immer noch deutlich angetrunken und wollte mir gleich zum Frühstück wieder einen Becher einschenken. Nur mit Mühe konnte ich ihm klarmachen, dass ich noch viel Rad fahren müsse und Schnaps nicht das richtige Doping sei.

Foto aus SambiaFoto aus Sambia

Am Abend erreichte ich einen Vorort von Lusaka und traf auch hier wieder auf sehr nette Sambier. Louis zog mit mir von Bar zu Bar und stellte mich seinen Freunden vor. Sie gaben mir gleich ein Bier aus – das war mir in Afrika noch nicht passiert. Es war ein sehr schöner Abend, und nur schwer konnte ich ihnen erklären, dass ich mein Zelt einer weiteren Bar vorziehen würde.

Mein Fahrrad hatte halbwegs durchgehalten. Nach ein paar Kilometern musste ich aber meine Laufräder tauschen, und damit ist es mit Mitfahrern erst einmal vorbei. In Lusaka suchte ich Ersatzteile für meine Nabe, fand aber nur Teile für indische und chinesische Fahrräder. Immerhin habe ich das kaputte Laufrad wieder so hinbekommen, dass es gut rollt. Meine Reise kann ich ohne Einschränkungen fortsetzen, nur kann ich auf den nächsten 1200 Kilometern bis Namibia keine Mitfahrer mehr mitnehmen. In Namibia bringt mir wohl ein Freund ein neues Hinterrad mit.

Fotos aus Sambia

Bike-togehterSpielzeug in AfrikaEin typisches Dorf in SambiaAuf dem MarktBike-togehterLuanga RiverFast überall begegne ich nur freundlichen MenschenBike-togehterBike-togehterBike-togehterBei dem Headman eines Dorfes finde ich einen sicheren SchlafplatzHeadman mit Familie

Alle 31 Fotos ansehen