Wer Afrika von Nord nach Süd durchquert, kommt nicht darum herum, mindestens einmal die Regenzeit mitzuerleben. Mich hat sie nun hier am Äquator in Uganda und Ruanda voll erwischt. Rund um den Viktoriasee regnet es meist nur abends und nachts, doch je weiter ich ins Landesinnere zu den Virunga-Vulkanen kam, desto schlechter wurde das Wetter und desto kürzer die Pausen zwischen den Schauern. Die Virunga-Vulkane mit ihren bis zu 4500 Meter hohen Gipfeln sind eine gute Barriere für die Wolken, und außerdem steigt das Land hier von Osten nach Westen langsam auf über 2000 Meter an. Dadurch werden die Luftmassen zum Aufsteigen gezwungen, und es regnet verstärkt. Auf meiner Fahrt nach Osten konnte ich dann schön beobachten, wie das Wetter nach und nach besser wurde und die Wolken der Sonne immer mehr Platz machten.
Doch genug Erdkundeunterricht – weiter mit meinem Bericht:


Grenzübertritte finde ich immer sehr spannend. Was wird sich ändern, was ist neu und was ist geblieben?
Selbstverständlich ändert sich die Währung, also tausche ich an der Grenze – meist zu schlechten Kursen – ein bisschen Geld. Das reicht bis zur nächsten größeren Stadt, wo ich am Geldautomaten mehr abheben kann.
In Ruanda war die Überraschung groß: Auf einmal wurde wieder auf meiner gewohnten rechten Straßenseite gefahren, die Straße war asphaltiert, der Straßenrand gepflegt und teilweise sogar mit Blumen bepflanzt. Ansonsten hat sich das Straßenbild im Vergleich zu Uganda kaum verändert. Das Fahrrad ist hier immer noch Verkehrsmittel Nummer eins – alles und jeder wird mit dem Fahrrad transportiert. Nur in den größeren Städten verschwinden die Räder langsam und machen ihren motorisierten Kollegen Platz.


Nach zwei Tagen durch eine sehr hügelige, grüne Landschaft erreichte ich die Hauptstadt Kigali. Hier stellte ich fest, dass die Preise deutlich höher sind als im Nachbarland Uganda. Eine Unterkunft für unter 10 Dollar ist so gut wie unmöglich zu finden. In einem Hotel bekam ich für diesen Preis ein einfaches Zimmer. Der Nachteil: Wie sich in der Nacht herausstellte, fand in der hauseigenen Bar eine große Playback-Show statt. Zu den unterschiedlichsten Musikstücken traten sogenannte „Tänzer“ auf einer Bühne auf und gaben ihre fehlende Tanz- und Gesangskunst zum Besten. Eine sehr ungewöhnliche Veranstaltung. Bei der Gelegenheit fanden sich im Hotel auch einige Leute ein, die auf schnellen Sex aus waren. Komisch war mir schon vorgekommen, dass die Matratze in meinem Zimmer komplett in PVC eingeschweißt war, aber der Preis hatte mich dann doch überzeugt. In der Nacht beging ich leider den Fehler, meine noch nassen, leicht stinkenden Wanderschuhe zum Lüften vor die Tür zu stellen. Am nächsten Tag waren sie weg und haben wohl den Weg auf den Secondhand-Schuhmarkt gefunden. Ich fragte alle Angestellten nach meinen Schuhen und landete schließlich beim Manager. Dem war es sichtlich peinlich, und er wollte mir einen Ausgleich für die gestohlenen Schuhe zahlen. Ein bisschen geschockt war er allerdings, als ich ihm den Neupreis nannte. Er meinte, ich solle noch einen Tag warten, denn am Abend sei wieder Playback, und vielleicht tauchten die Schuhe dann wieder auf. Nach einer weiteren „ruhigen“ Nacht in Kigali waren die Schuhe immer noch verschwunden, und er bot mir andere an. Die hatten aber die falsche Größe und waren völlig inakzeptabel. Am Ende gab er mir 50 Dollar, damit ich mir neue Schuhe kaufen konnte. Ich war ziemlich erstaunt, wie das hier gehandhabt wird, denn eigentlich war es ja meine eigene Schuld, dass ich die Schuhe vor die Tür gestellt hatte. Aber ich nahm das Geld dankend an und verließ die Stadt in Richtung Tansania.











