Vor dem Start meiner Reise warnten mich meine Freunde: „Lass dich nicht entführen! Pass auf die Hitze auf! Hol dir keine schlimmen Krankheiten! Ich will dann deine Fahrräder haben! …“
Das waren meist gut gemeinte Ratschläge, aber wenn ich jetzt in der Steiermark aus dem Fenster meiner Pension blicke, helfen sie mir nicht weiter. Es regnet. Und zwar schon den zweiten Tag – mal stärker und mal noch stärker. An eine Pause ist nicht zu denken. Wenn die Wolken den Blick auf die umliegenden Berghänge freigeben, sehe ich nur, dass die Schneefallgrenze immer weiter ins Tal wandert.


Gestern Nachmittag hatte ich beschlossen, den Fahrtag früher zu beenden und mir eine überflutungssichere Unterkunft zu suchen. Im Radio wurde ständig vor örtlichen Überflutungen und Muren gewarnt. Das nahm ich mir zu Herzen und fand ein Hostel. Ich genoss es, im Trockenen und im Warmen zu sitzen. Es war eine gute Entscheidung, die festen Wände meinem Zelt vorzuziehen. Ich hatte schon überlegt, noch eine Nacht zu bleiben und den Regen abzuwarten. Die Unterkunft war nicht schlecht, aber viel machen konnte man dort nicht, und der kalte Kaffee zum Frühstück konnte mich auch nicht zum Bleiben bewegen. Also brach ich heute früh doch auf. Es regnete immer noch. Ein paar Kilometer wollte ich wenigstens weiter nach Süden kommen. Wer mich auf der Straße sah, hielt mich wohl für völlig verrückt. Wer fährt schon bei so einem Wetter Fahrrad? Niemand fragte mich, wo denn der zweite Mann auf dem Tandem geblieben sei. Bei dem Wetter war jedem klar, dass es schwer genug ist, einen Verrückten zum Radeln zu finden – und der saß schließlich schon vorne.


Den Körper hatte ich fast komplett in Regenkleidung verpackt. Für die Hände hatte ich mir gestern in einem Baumarkt PVC-Isolierhandschuhe besorgt – wo sonst bekommt man zu dieser Jahreszeit schon Handschuhe? So versuchte ich, dem Regen zu trotzen. Die ersten Kilometer klappte das recht gut. Die Abfahrten waren immer sehr kalt, aber an den folgenden, fast 20 % steilen Rampen wurde mir wieder schön warm. Manchmal dachte ich fast, der Regen sei wärmer geworden, aber es war nur die Anstrengung der Anstiege, die mich ins Schwitzen brachte. Ein Blick zur Seite holte mich in die Realität zurück: Ich sah schneebedeckte Hänge – und spürte wieder meine vor Kälte schmerzenden Zehen. Mittlerweile war auch Wasser durch die Hose gedrungen. Ob es Regenwasser war oder der Schweiß, der vergeblich einen Weg nach draußen suchte, konnte ich nicht sicher sagen. Das Ergebnis war das gleiche: Es war kalt und unangenehm. Nach ca. 45 km (mein Tacho ist wohl eher ein Schönwettermodell und verweigert seit gestern den Dienst) erreichte ich Admont. In der Touristeninformation fand ich eine schöne, günstige Unterkunft. Bis morgen Nachmittag soll es noch regnen, dann wird das Wetter wohl langsam besser. Hoffentlich!


Das Wetter wurde tatsächlich besser, und nach einem weiteren Tag im Regen verließ ich Österreich bei Sonnenschein in Richtung Slowenien.












