Bike Together – Ein Tandemabenteuer

Seit vier Wochen bin ich nun mit dem Tandem unterwegs durch Deutschland und kann jetzt auch sagen: „Ich bin auf meiner Reise angekommen!“

Ich bin auf meiner Reise angekommen – das bedeutet zum einen, dass ich nicht vergesse einzukaufen, nicht zu wenig trinke und auch an den Sonntag denke, an dem die Geschäfte geschlossen haben. Das klingt zwar selbstverständlich, aber wer es vernachlässigt, bekommt schon mal kleinere Probleme. Ich fühle mich wohl auf meinem Radl, bekomme langsam die nötige Fitness und genieße jeden Tag aufs Neue.

Ich bin auf meiner Reise angekommen – dieses Gefühl wurde stärker, nachdem ich den nördlichsten Punkt der Route (bei Hitzacker an der Elbe) hinter mir gelassen hatte und es endlich nach Süden ging. Jetzt schauen die Leute nur noch erstaunt, wenn ich als Ziel Kapstadt nenne, und halten mich nicht mehr für total verrückt, weil ich obendrein in die falsche Richtung fahre.

Ich bin auf meiner Reise angekommen – das bedeutet aber vor allem, dass ich in Aachen offiziell gestartet bin. Am 18. August war es so weit. Vertreter der örtlichen Presse und des Rundfunks hatten sich vor dem Misereor-Gebäude eingefunden und warteten darauf, dass ich mit einer Gruppe von Radfahrern losfuhr. Leider verzögerte sich der Start etwas, weil an meinem Tandem zwei Speichen gebrochen waren. So beantwortete ich während der Reparatur alle Fragen der Redakteure, und mit etwas Verspätung machte sich die Gruppe von zehn Radfahrern auf den Weg nach Köln. Michael Hippler, der Leiter der Afrika-Abteilung, nahm auf dem hinteren Sitz des Tandems Platz und testete dessen Afrikatauglichkeit.

Mit vielen Mitfahrern geht es losFoto aus Deutschland

Was ist sonst noch seit meinem letzten Bericht geschehen?

In Berlin hatte ich schließlich meinen ersten Ruhetag. Es tat gut, das Tandem mal nicht zu bewegen und ein bisschen die Cafés und Kneipen der Stadt zu erkunden. Astrid kam mich besuchen und begleitete mich die nächsten vier Tage bis nach Hannover. Wir trotzten dem Regen und genossen das gemeinsame Radeln. Die Strecke führte uns durchs Havelland zur Elbe. Das flache Land war für uns Süddeutsche ungewohnt: Man warnte uns vor Steigungen, die wir dann kaum wahrnahmen – eine ganz normale Autobahnbrücke wäre anspruchsvoller gewesen. Trotzdem war es schön, durch diese Gegend zu fahren. Die Dörfer und Städte waren zum Teil sehr schön hergerichtet und luden immer wieder zum Verweilen ein.

Von Köln aus folgte ich dem Rhein und dem Neckar nach Freiberg bei Stuttgart. Einer meiner Sponsoren, KED, hatte mich eingeladen, die Produktion zu besichtigen. Es war interessant zu sehen, wie aus Granulat, ein paar Formpressen, einigen Fräsen und viel Handarbeit die hochwertigen Helme entstehen. Ein Foto vor dem Werk für die örtliche Presse durfte natürlich auch nicht fehlen.

Interviews für Zeitung und Radio waren in den letzten vier Wochen ein fester Bestandteil meiner Reise. So im öffentlichen Interesse zu stehen, war eine neue und ungewohnte Erfahrung für mich. In Maulbronn zum Beispiel sprach mich die Briefträgerin gleich an: „Von Ihnen hab ich doch heut’ in der Zeitung gelesen!“

In Maulbronn machte ich nicht nur Station, um mir das Zisterzienserkloster, ein UNESCO-Weltkulturerbe, anzusehen, sondern durfte mich nach dem Treffen mit dem Bürgermeister sogar ins Goldene Buch der Stadt eintragen. Organisiert hatte das der Verein Fun and Fairplay, dessen Frau eines Vereinspräsidenten eine Freundin meiner Freundin ist (so prägnant erklärte es das Mühlacker Tagblatt).

Sponsor KED in FreibergEintrag ins Gästebuch der Stadt Maulbronn

Über die Schwäbische Alb ging es an die schöne blaue Donau, der ich voraussichtlich bis Linz in Österreich folgen werde. Ich hätte nie gedacht, dass ich mal so viele Flussradwege in Deutschland fahren würde. Ich hatte sie immer als flach und langweilig abgetan. Inzwischen bin ich aber so viele davon gefahren, dass ich meine Meinung korrigieren muss: Es gibt wirklich sehr schöne Flussradwege! (Allerdings müsste bei vielen noch an der Beschilderung und der Wegführung gearbeitet werden …)

Das Besondere an der Fahrt durch Deutschland waren für mich aber die Begegnungen mit den Menschen. Fast überall wurde ich gastfreundlich empfangen. Ich wurde öfter zum Essen eingeladen, andere Radfahrer begleiteten mich und zeigten mir die schönsten Strecken ihrer Gegend, und man bot mir kostenlose Unterkünfte an. Das ist nur eine kleine Aufzählung, ich könnte sie noch lange fortsetzen. Mit so viel Herzlichkeit hatte ich zu Beginn meiner Reise nicht gerechnet – ist doch das allgemeine Bild vom typischen Deutschen ein anderes. Aber diese Erkenntnis wird mich wohl weiter begleiten: Den typischen Deutschen, Europäer oder Afrikaner gibt es so wohl nicht.

Im Schwabenland kommt die sonne rausDie Donau

Fotos aus Deutschland

Zum Start in Erlangen......ist nicht-nur......der Bürgermeister gekommen......sondern auch viele FreundeZusammen ging es......in die fränkische SchweizEin Bier bei der Kathi.....durfte nicht fehlenAbendliches Grillen in......PlankenfelsWeiter ging es...Mit Astrid durch den...

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