„Ich komm mir vor wie die Queen von England“, meinte Astrid, als wir durch den ersten Ort in Montenegro fuhren. Von allen Seiten winkten die Leute und riefen uns „Bravo“ und „Super“ zu. Natürlich wollten wir jedem Einzelnen zurückwinken. Da ich mit dem Steuern des Tandems beschäftigt war, übergab ich diese verantwortungsvolle Aufgabe meiner Freundin auf dem Rücksitz. Diese offene Begeisterung und Freundlichkeit hatte schon in Kroatien begonnen, wurde in Montenegro und Albanien aber noch stärker. Manch ein Autofahrer vergaß den übrigen Verkehr völlig, nur um uns aufgeregt zuzuwinken. Manch einer ließ das Lenkrad los, um mit beiden Händen begeistert eine Kurbelbewegung zu machen, oder war hektisch damit beschäftigt, sein Fotohandy herauszuholen.


Unser erstes Ziel in Montenegro hieß Kotor. In einer von steilen Felswänden umgebenen, vom Meer aus gut versteckten Bucht liegt hoch oben auf dem Felsen die ehemalige Festung von Kotor. Die schmale Küstenstraße zu diesem UNESCO-Weltkulturerbe war eine der schönsten Strecken, die ich bisher gefahren bin. Das ebene und wenig befahrene Sträßchen schlängelte sich durch kleine mediterrane Örtchen und gab den Blick frei auf die über 2000 Meter hohen Berge und das im letzten Tageslicht schimmernde Meer. Der Ort selbst war sehr touristisch, aber trotzdem machte es Spaß, durch die engen, kopfsteingepflasterten Gassen zu schlendern.


An unserem zweiten Tag in Montenegro lernten wir Onkel Georg kennen. Onkel Georg vermietet einfache Zimmer in einem alten Hotel aus kommunistischer Zeit, das seine besten Jahre längst hinter sich hat. Das Restaurant im Erdgeschoss dient jetzt als Lager für ausgedientes Mobiliar, das man ja vielleicht doch noch mal brauchen könnte. Während ich ein paar Speichen an meinem Rad austauschte, erzählte der liebenswert-kauzige 80-Jährige in gebrochenem Deutsch begeistert von seinen 13 Monaten in der Nähe von Stuttgart und war sehr stolz darauf, dass ein „großer Mann“ bei ihm übernachtet. „Uuuh! So weit mit Rad! Aber zurück mit Luftzug, oder?!“












