Bike Together – Ein Tandemabenteuer

Auf der Suche nach einer Unterkunft fahren wir durch das Städtchen Burrel in den Bergen Albaniens. Es liegt auf einer großen Flussterrasse, umgeben von über 2000 Meter hohen Bergen. Da spricht uns Musa auf Englisch an: „Was sucht ihr?“ „Ein Hotel oder eine einfache Unterkunft für eine Nacht“, antworten wir. „Oh, das könnte hier schwierig werden … aber ich habe eine Idee, folgt mir einfach!“ Also schieben wir unser Tandem hinter dem telefonierenden und organisierenden Musa her. Die Gruppe von Kindern, die uns und unser Gefährt staunend verfolgt, wird immer größer. Nach ein paarmal Abbiegen bleiben wir vor einem relativ neuen, schönen Haus stehen. Wir werden herzlich begrüßt, und die anwesenden Erwachsenen vertreiben die Kinder. Es stellt sich heraus, dass dies wohl das einzige Hotel der Stadt ist – was die Preisverhandlungen für ein Zimmer nicht gerade einfacher macht. Musa ist von dem Hotel sichtlich begeistert und findet auch den Preis von 30 Euro akzeptabel. Wir finden das Hotel ganz in Ordnung, den Preis aber deutlich zu hoch. Am Ende einigen wir uns auf 25 Euro inklusive Frühstück. Das heiße Wasser, das uns rund um die Uhr versprochen wurde, und der Fernseher erweisen sich als Flop, denn es herrscht gerade Stromausfall, und erst mit Einbruch der Dunkelheit rechnet man wieder mit Strom. Dafür lädt uns Musa zu seiner Familie ein. Er ist Erdkundelehrer und hat sechs Jahre in England als Schreiner gearbeitet. Mit leuchtenden Augen erzählt er uns von dieser Zeit. Seine Frau, die wir in seiner Wohnung kennenlernen, war davon weniger begeistert – schließlich musste sie in der Zeit ihre beiden Söhne allein in Albanien großziehen.

Foto aus AlbanienEinladung bei Musa

Um zur Wohnung zu kommen, gehen wir in den Hinterhof einer heruntergekommenen Plattenbausiedlung und biegen in einen Hauseingang ein. Musa warnt uns noch, dass es bei ihm noch nicht so schön aussieht, da er erst vor drei Tagen eingezogen ist. Umso überraschter sind wir, als wir die Wohnung betreten: Alles ist sehr sauber und frisch gestrichen, vom äußeren Zustand des Hauses merkt man drinnen nichts. Seine Frau begrüßt uns freudig, außerdem sind seine Schwester und sein Schwager zu Besuch (er ist Englisch- und Russischlehrer, spricht aber nur sehr wenig Englisch) und noch weitere Kinder der Familie. Während die Frau in der Küche ein paar Speisen für uns zubereitet, bietet Musa uns Getränke an. Es gibt Raki, und er betont immer wieder: „Not industrial, it’s natural!“ Sein Onkel hat den Traubenschnaps gebrannt. Er schmeckt sehr gut, ist aber auch sehr stark. Nach der ersten Runde ist das Essen fertig, und es scheint, als hätte die Frau alles aufgetischt, was sie in der Küche gefunden hat: Hühnchen, Rindersteak, Byrek, Weintrauben, Eier und Brot. Es schmeckt sehr lecker, und dazu wird mir immer wieder Raki gereicht. Astrid bekommt einen leichten, lieblichen Traubenwein. Wir unterhalten uns über Albanien und Deutschland, und sie versuchen uns zu überreden, dass Astrid und ich unbedingt heiraten sollten. Unsere Hochzeitsreise solle uns dann natürlich nach Albanien führen – in Burrel seien wir jederzeit herzlich eingeladen. Zum Abschied machen wir noch ein paar Gruppenfotos und gehen zurück zum Hotel, in der Hoffnung, dass es nun das versprochene warme Wasser gibt.

Foto aus AlbanienFoto aus Albanien

Von den teilweise wilden Geschichten, die wir vorher über Albanien gehört hatten, hat sich keine bewahrheitet. Die Straßen waren wesentlich besser als ihr Ruf, der Verkehr war erträglich, das Leitungswasser teilweise trinkbar, und ausgeraubt wurden wir auch nicht. Erstaunt waren wir allerdings über die Autos: Jedes zweite war ein Mercedes. Das konnte, wie man es erwartet, ein sehr altes Modell sein, aber es fuhren auch auffallend viele ganz neue Mercedes herum – und das bei einem Lehrergehalt von 220 Euro im Monat. Mit ehrlicher Arbeit lässt sich so etwas in Albanien wohl kaum verdienen.

Von Lezhë aus nahmen wir nicht die Hauptstraße über Tirana zum Ohridsee, sondern eine kleine Straße durch die Berge, vor der uns die Grenzer gewarnt hatten: „Do not go this way. It’s dangerous!“ – „The people?“ – „No, the street!“ Sie erwies sich jedoch als absoluter Glücksgriff. Mit sehr wenig Verkehr schlängelte sie sich durch die schöne Bergwelt Albaniens. Ab 2008 soll sie fertig ausgebaut sein, und dann eignet sie sich bestens zum Radfahren.

Einmann BunkerFoto aus Albanien

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Freundlicher GrenzerDie albanische FlaggeLezheScheine in LezheIdyllischer Fischerort (lonely planet)Einmann BunkerAlbanienHängebrückeAlbanienEinladung bei MusaEinladung bei MusaAlbanien

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