Mit dem Grenzübertritt von Tansania nach Malawi war das ruhige, ungestörte Radeln wieder vorbei. Wieder rannten Kinder freudig neben mir her. Zwischen den „Hello“-, „Bye-bye“- und „Good morning“-Rufen hörte ich ab und zu auch ein „Give me money“ heraus. Das fiel aber kaum ins Gewicht, denn die fröhlichen, netten Menschen überwogen deutlich. Aus den Bergen hinab führte die Straße nun am Ufer des Malawisees entlang. Reisfelder säumten beide Straßenseiten, und ab und zu konnte ich einen Blick auf den fast 600 Kilometer langen See erhaschen. Am Ufer gab es immer wieder schöne Lodges mit Campingplätzen, in denen ich es mir gut gehen ließ. Zum ersten Mal seit Langem traf ich wieder viele „Mzungus“, also Weiße, die auf den unterschiedlichsten Routen durch Afrika unterwegs waren. So konnte ich nach einem erfrischenden Bad im See bei einem guten „Kuche Kuche“ Informationen austauschen oder einfach den Abend mit anderen Reisenden genießen. Der erste schöne Halt auf dem Weg nach Süden am See entlang war Chitimba. Der kleine Ort liegt in einer schönen, weiten Bucht, umgeben von Bergen. Von dort machte ich mich auf in das 500 Meter höher gelegene Livingstonia. Fahren konnte man das leider nicht wirklich nennen, denn die zwölf Kilometer lange Schotterstraße schlängelte sich meist so steil den Berg hinauf, dass daran nicht zu denken war. Das störte mich aber nicht, denn die Strecke war sehr schön und es auf jeden Fall wert, sie etwas intensiver zu genießen. Oben fand ich einen grandiosen Campingplatz direkt an einer steil abfallenden Klippe, mit tollem Blick über den Malawisee tief unter mir. Für Schlafwandler ist er allerdings nichts – nur einen Meter vor meinem Zelteingang ging es senkrecht hinunter.


Doch all die Idylle kann nicht über die Strapazen hinwegtäuschen, die mich am nächsten Tag erwarteten. In der Nacht hatte es stärker geregnet, als ich mitbekommen hatte, und so wurde der nächste Tag zu einer regelrechten Schlammschlacht. Bei den ersten schlimmen Schlammabschnitten überlegte ich noch, umzukehren und zur Asphaltstraße zurückzufahren. Aber irgendetwas trieb mich weiter. Ich bin einfach nicht der Typ, der bei der ersten Schwierigkeit aufgibt, dachte ich mir. Also schob und trug ich mein Gefährt durch den Schlamm. Alle zwei, drei Meter musste ich anhalten und große Schlammbatzen von den Rädern kratzen. Die Schutzbleche hatte ich schon bei den ersten „harmlosen“ Pfützen abgebaut. Aber nicht nur die Räder versanken tief im Schlamm, sondern auch meine Füße. Die Sandalen waren der Belastung nicht gewachsen, und nach und nach lösten sich die Riemen von der Sohle. Mir blieb nur noch, mich barfuß durch den Schlamm zu arbeiten. Auf kurzen, trockeneren Abschnitten band ich mir die Sandalen mit Spanngurten an die Füße. Andere Schuhe hatte ich nicht – die waren mir ja in Ruanda geklaut worden. Nach 15 Kilometern und drei Stunden harter Arbeit hatte ich das Gröbste überstanden und konnte langsam wieder von einer Straße sprechen. Hier traf ich auch auf die ersten Fahrzeuge des Tages, die in kurzen Schlammabschnitten stecken geblieben waren.


Etwas später besserte sich auch das Wetter, und es wurde ein schönes Radeln – wenn mich nicht ständig das Quietschen und Krachen von Kette und Bremsen begleitet hätte. Erst ein Bad und eine gründliche Reinigung in einem kleinen Bach schafften Abhilfe. So ein Tag geht ganz schön aufs Material und ist wahrscheinlich belastender als 1000 Kilometer auf guter Straße. Auch meine Zeitplanung musste ich über den Haufen werfen und fand mich damit ab, an diesem Tag keinen Ort mit Unterkunft mehr zu erreichen.


Kurz vor Sonnenuntergang hielt ich in einem kleinen Dorf und fragte, ob ich hier für eine Nacht mein Zelt aufstellen dürfe. Sofort brachte man mich zum Dorfvorsteher, und der erklärte mir, es sei ihm eine Ehre, mich zu beherbergen, und er werde für meine Sicherheit sorgen. Also stellte ich mein Zelt vor seinem Büro auf und kochte unter den Augen des halben Dorfes mein Abendessen. Die Spaghetti, die ich in meinen Topf warf, sorgten für Verwunderung. Dieses teure europäische Lebensmittel kann sich hier fast niemand leisten – die billigsten Nudeln kosten über einen Euro für 500 Gramm – und so ist es fast unbekannt. Leider hatte ich nicht genug, um meine Zuschauer mal probieren zu lassen. Bei ihnen stehen eher Mais, Reis, Bananen und ein paar gekochte Wurzeln auf dem Speiseplan.


Beim Kochen lernte ich Sibusiso kennen. Er war 24 Jahre alt und sprach sehr gut Englisch. Von meinem Angebot, mich auf der nächsten Etappe zu begleiten, war er begeistert. Wir verabredeten uns für den nächsten Morgen, und ich genoss eine ruhige Nacht im Zelt.
Nach den Tagen abseits des Sees genoss ich es, wieder ans Wasser zu kommen, und fand in Nkhata Bay einen guten Platz zum Entspannen. Es ist der Touristenort schlechthin in Malawi, ein Resort reiht sich ans nächste, aber für mich war es trotzdem ein schöner Platz. Ich traf nette Reisende und genoss es, abends ein bisschen zu feiern – ein wenig Einstimmung auf meinen Besuch zur Bergkirchweih in Erlangen konnte nicht schaden. Die restlichen Tage in Malawi vergingen recht schnell. Ich fuhr noch ein paar Tage am See entlang und bog dann wieder in die Berge ab, um die Hauptstadt Lilongwe auf 1200 Meter Höhe zu erreichen. Einen Tag noch ein paar Souvenirs kaufen, und schon saß ich im Flieger Richtung Bergkirchweih.












