Bike Together – Ein Tandemabenteuer

Es ist kein schöner Gedanke: Noch liege ich im trockenen Bett, und gleich muss ich in meine klammen, stinkenden Klamotten. Ich hatte zwar gestern Abend alles gewaschen, aber den Gestank bekomme ich nicht mehr heraus. Seit drei Tagen regnet es fast ununterbrochen, und wenn es nicht regnet, steigt die Luftfeuchtigkeit ins Unerträgliche, sodass die Feuchtigkeit überall drinsteckt. Trockene Sachen anzuziehen macht keinen Sinn, sie wären sowieso gleich wieder nass – entweder vom Regen oder vom Schweiß. Es hilft alles nichts, ich will ja weiter. Also raffe ich mich auf, werfe den Kocher an und mache mir eine große Portion Porridge mit Bananen und eine Tasse Kaffee.

Tanzaina ist grünZumindest in der Regenzeit

Insgeheim hatte ich gehofft, die Regenzeit hinter mir gelassen zu haben. Aber die war nur im Westen Tansanias fast vorbei – beziehungsweise ist sie dort nicht so stark ausgeprägt. Hier im Osten hat sie das Land fest im Griff. Um an meiner geplanten Strecke festzuhalten und ein wenig Zeit zu sparen, hatte ich für einige Kilometer einen Bus nach Arusha genommen. Dort besuchte ich das HIV-Projekt der Diözese Arusha. Weiter ging es zur nächsten Touristenhochburg, Moshi. Die Stadt lebt von ihrer Nähe zum Kilimandscharo, fast alle Touren auf den höchsten Berg Afrikas starten hier. In der Regenzeit steckt der Berg fast immer in den Wolken, deshalb sind nicht ganz so viele Touristen in der Stadt – aber ohne Geld kann man hier trotzdem nicht viel machen. Eine Safari kostet pro Tag mindestens 200 US-Dollar, eine Kilimandscharo-Besteigung gibt es ab 1200 US-Dollar, und selbst für einen Village Walk muss man 30 US-Dollar hinblättern. Dass hier fast nur Touristen mit Geld hinkommen, merkte ich auch bei den Schneidern auf der Straße. Ich ließ mir einen Knopf an die Hose nähen, und die Schneiderin wollte glatt drei US-Dollar dafür. Es folgte eine lange Diskussion. Ich meinte, die Hose habe mich im Jemen gerade mal fünf Dollar gekostet, da könne ich keine drei Dollar für einen Knopf bezahlen. Sie fragte erstaunt: „Du kommst aus dem Jemen?“ – „Ja!“ – „Dann sieht die Sache natürlich anders aus! Der Jemen ist mir sympathisch. Zahl mir 30 Cent.“

Sobald ich die Touristenregionen verließ, erlebte ich ein anderes Tansania. Die Menschen waren freundlich, die Landschaft war schön grün – es ist ja Regenzeit –, und auch die Preise wurden wieder erschwinglich.

Nur selten kommt die Sonne rausBike-togehter

So esse ich nun mein Frühstück, aber mit Hunger und Genuss hat das nichts zu tun. Es ist schlichtweg Nahrungsaufnahme: Je mehr ich jetzt esse, desto länger kann ich ohne Pause fahren. Bis Malawi sind es noch einige Hundert Kilometer, und ich habe vor, erst dort am Malawisee einen Ruhetag einzulegen. Beim Fahren rieche ich den Gestank meiner Klamotten auch nicht so sehr. Sechs bis acht Stunden brauche ich pro Tag, um mein Tagespensum herunterzustrampeln. Solche „Überführungsetappen“ gehören eben auch zu so einer Reise.

Fotos aus Tansania

Tanzaina ist grünZumindest in der RegenzeitBike-togehterIn Moshi suche ich verzweifelt den KilimanjaroJa es gibt sogar ein eigenes Bier und einen WegweiserUnd während meinem Frühstueck bekomme ich ihn zu GesichtBike-togehterAuf der Straße weg von den TouristenTreffe ich nur freundliche MenschenAber die Regenzeit zeigt warum sie so heisstNur selten kommt die Sonne rausAnsonsten regnet es fast den ganzen Tag

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