Bike Together – Ein Tandemabenteuer

Oft werde ich gefragt, wo ich auf meiner Reise eigentlich übernachte. Ich versuche das einmal anhand der Fahrtage von Djibouti nach Äthiopien zu erklären.

Rechtzeitig vor Einbruch der Dunkelheit versorgten Kenny und ich uns an einem Truckstopp am Wegesrand mit genügend Wasser für die Nacht. Ich füllte meine beiden Zwei-Liter-Flaschen und einen Vier-Liter-Wassersack auf. Danach ging es bei anhaltendem Nieselregen weiter. Sobald es dunkel genug war, dass man uns nicht mehr gut sehen konnte, suchten wir uns einen Schlafplatz. Da Djibouti nicht sehr dicht besiedelt ist, fanden wir direkt neben der Straße hinter ein paar Büschen einen Zeltplatz, der von außen kaum einzusehen war. Die Zelte waren schnell aufgestellt, und das Kochen im Zelt konnte beginnen. Es gab eine leckere chinesische Nudelsuppe. Am nächsten Morgen starteten wir nach einer guten Portion Porridge (in Wasser gekochte Haferflocken mit Zucker und einer Banane) in den Tag.

Am zweiten Tag hatte der Regen aufgehört. Diesmal fanden wir einen Schlafplatz unter der Straße. Häufig sind Straßen von größeren und kleineren Wasserdurchlässen untertunnelt. Wenn sie trocken sind, eignen sie sich hervorragend zum Übernachten. Fahrrad und Gepäck verschwanden unter der Straße, und wir legten uns einfach mit unseren Isomatten daneben. Von der Straße aus konnte man uns nicht sehen, und da wir in einem kleinen Graben lagen, war auch unser Licht nicht von Weitem zu erkennen. Zu essen gab es diesmal Nudeln mit Gemüse. Das Frühstück blieb unverändert.

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In Äthiopien sind die Hotels meist recht günstig. So fanden wir am nächsten Abend in der ersten kleineren Stadt ein kleines Hotel für gerade mal einen Dollar. Die Zimmer waren einfach, aber ausreichend: ein frisch bezogenes Bett und, falls es im Ort Strom gab, eine kleine Lampe. Das Plumpsklo war draußen, und für die Dusche mussten noch einmal 20 Cent extra bezahlt werden. Das ist aber verständlich, denn das Wasser wird zuerst mit Eseln von einer etwa einen Kilometer entfernten Wasserstelle geholt und dann von Hand in einen Behälter auf dem Dach der Dusche gegossen. Gegessen haben wir für wenig Geld im hauseigenen Restaurant und dazu ein kaltes St. George getrunken. Auch gefrühstückt wurde im Restaurant, und nach einem guten Kaffee konnte ein neuer Tag in Äthiopien beginnen.

Es gibt aber auch Orte in Äthiopien ohne Hotel. Teilweise ist die Gegend zu dicht besiedelt, um unentdeckt zu übernachten, und dann braucht man eine andere Lösung. Weiterfahren wäre eine, aber ich fahre nicht gern im Dunkeln. Eine andere ist, nach der Dorfpolizei zu fragen und die Beamten um einen Schlafplatz zu bitten. Wir fanden die Polizei recht schnell und durften nach ein bisschen Verhandeln in der Gefängniszelle schlafen. Wo niemand rauskommen soll, kommt auch so schnell keiner rein. Der Uringeruch in einer Ecke der Zelle war auszuhalten, und so machten wir es uns gemütlich. An diesem Abend kochten wir mal wieder Nudeln, diesmal mit einer leckeren Thunfischsoße. Die Nacht blieb ruhig: Kein Straftäter erhob Anspruch auf die Zelle, und wir schliefen gut. Am Morgen gab es wie gewohnt Porridge.

So unterschiedlich können die Übernachtungen sein, und das Schöne an so einer Reise ist, dass ich nie genau weiß, was kommt. Man kann zwar vieles planen, sollte sich aber genügend Freiheiten lassen.

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