Bike Together – Ein Tandemabenteuer

Von Addis Abeba nahm ich schließlich einen Flieger nach Entebbe in Uganda, um die Unruhen im Norden Kenias zu umgehen. Zwei Tage später landete am selben Flughafen Astrid, die mich für drei Wochen besuchte. Das Fahrrad ließen wir erst einmal in Kampala stehen, und ich machte ein wenig Urlaub vom „Urlaub“. In kleinen Toyota-Minibussen, die hier Matatus heißen und alle Orte im Land miteinander verbinden, fuhren wir in den Osten zum Mount Elgon. Außen auf den Bussen steht zwar immer, dass sie nur für 14 Personen zugelassen sind, aber so genau nimmt man das in Uganda nicht. Kinder zählen schließlich nicht als Personen, und wenn sich für den Fahrer die Gelegenheit bietet, mehr Geld zu verdienen, nutzt er sie – so kann man sich schon mal mit 24 anderen Menschen in einem Matatu wiederfinden. Wichtig ist, gleich zu Beginn auf eine „bequeme“ Sitzposition zu achten, denn die muss man die nächsten Stunden beibehalten, ohne sich auch nur ein bisschen bewegen zu können.

Herzlich Willkommen im Grossstadtchaos KampalaMit Astrid und ein paar bewaffneten Führern und Trägern

Wir beschlossen, den über 4000 Meter hohen Vulkan in einer Viertagestour zu besteigen. Im Nationalparkbüro wurden uns drei bewaffnete Führer zugeteilt und ein Träger organisiert. Am nächsten Tag setzte sich unsere Karawane in Bewegung, und da wir im Büro angegeben hatten, fit und erfahren zu sein, bestand der erste Tag gleich aus zwei „normalen“ Etappen. Zunächst führte der Weg durch Kulturland. Die Bauern waren emsig dabei, ihre Felder für die bevorstehende Regenzeit vorzubereiten. Dann betraten wir den Nationalpark. Er darf nicht landwirtschaftlich genutzt werden, und so fanden wir uns in einem tropischen Regenwald wieder. In etwa 3000 Metern Höhe verließen wir ihn und kamen in die Hochgebirgssteppe.

Foto aus UgandaFoto aus Uganda

Leider hatten Einheimische die Steppe zwei Wochen vorher abgebrannt, um an den begehrten Honig zu kommen. Das Feuer war außer Kontrolle geraten, und so war der größte Teil der Steppe schwarz verbrannt. Der Weg führte durch diese verkohlte Landschaft bis zu unserem Camp, das wir nach insgesamt 2000 Höhenmetern erreichten. Durch den schnellen Aufstieg spürten wir die Höhe und legten uns gleich nach dem Essen erschöpft ins Zelt. Am nächsten Tag sah die Welt schon wieder besser aus, und wir erklommen einen 4165 Meter hohen Gipfel. Diese Etappe war zwar recht kurz, aber das war auch gut so, denn man eröffnete uns, dass der nächste Tag „etwas“ länger werden würde: 37 Kilometer und noch viele Höhenmeter. Als Entschädigung erwartete uns eine beeindruckende Landschaft und am Abend eine große Höhle, in der wir unser Nachtlager aufschlugen. Wenn ich mit der Taschenlampe an die Decke leuchtete, blickten wir in ein Meer von Augen: Hunderte Fledermäuse hingen dort und warteten auf die Dunkelheit, um zu ihren Jagdflügen aufzubrechen. Am letzten Tag ging es zu den Sipi Falls zurück in die Zivilisation. In der wunderschönen Lacam Lodge mit Blick auf den Wasserfall erholten wir uns von Muskelkater und anderen kleinen Blessuren.

Foto aus UgandaWenn man mit dem Bus fährt

Zurück in Kampala machte ich das Liegetandem wieder startklar. Astrid hatte mir neue Reifen und andere Ersatzteile mitgebracht, die ich gleich einbaute.

In den nächsten Tagen fuhren wir mit dem Tandem in den Westen des Landes. Es war ein schönes Radeln. Die Menschen am Straßenrand jubelten uns begeistert zu, Kinder ließen die Steine fallen, die sie in den Händen hielten, um uns zuzuwinken, und niemand versuchte, etwas vom Fahrrad zu stehlen. Nur ganz selten hörten wir mal ein „Give me money!“ – die absolute Ausnahme. Die Landschaft war wunderschön grün und ziemlich hügelig. Flache Strecken suchten wir vergeblich, es ging nur bergauf und bergab. Die einzige Gefahr ging von den großen Überlandbussen aus. Sobald ich einen im Rückspiegel sah oder nur hörte, hieß es: runter von der Straße. Mit hoher Geschwindigkeit brettern sie durch die Landschaft und scheinen manchmal regelrecht um die Kurven zu driften. Auf den Heckscheiben stehen dann so schöne Sprüche wie „God is my Provider!“ oder „In God we trust!“ Oh ja, dieser Glaube ist sehr wichtig für die Insassen!

Ein absoluter Höhepunkt war die Fahrt durch den Queen-Elizabeth-Nationalpark. Er gehört zu den wenigen Parks in Afrika, durch die man mit dem Fahrrad fahren darf. Von der Straße aus konnten wir die verschiedensten Tiere beobachten: Elefanten, Nilpferde, Büffel, Gazellen, Antilopen, Warzenschweine und einige mehr. Beim Verlassen des Parks standen auf einmal keine zehn Meter von uns entfernt zwei Elefanten, die Blätter von den Bäumen fraßen. Wir fuhren einfach weiter, ohne Aufsehen zu erregen, und so fühlten sich die beiden nicht gestört und ließen uns in Frieden.

Ganz in der Naehe Elefanten sehenFoto aus Uganda

Die Landschaft wurde immer bergiger, und nach ein paar weiteren schönen Fahrtagen erreichten wir Kabale. Hier tauschten wir unser Fortbewegungsmittel gegen einen Einbaum und paddelten damit über den wunderschönen Lake Bunyonyi zu einer kleinen Insel, auf der wir unsere letzten gemeinsamen Tage in Uganda verbrachten.

Danach hieß es auch für uns „In God we trust!“, denn wir nahmen den Bus nach Kampala, um Astrid zum Flughafen zu bringen. Ich fuhr zurück zu meinem Fahrrad und setzte die Fahrt Richtung Ruanda fort. Hervorheben muss ich dabei die Etappe von Kabale nach Kisoro, die landschaftlich zu den spektakulärsten in Uganda gehört: Erst geht es am Lake Bunyonyi entlang, dann über einen etwa 2500 Meter hohen Pass, bis man plötzlich vor den steil auf über 4000 Meter aufragenden Virunga-Vulkanen steht. Einen davon werde ich noch besteigen, bevor es weiter nach Ruanda geht.

Foto aus UgandaUnd über zahlreiche Leitern zum Gipfel

Fotos aus Uganda

Herzlich Willkommen im Grossstadtchaos KampalaTaxipark KampalaMarkt in KampalaAm Nilursprung kann man kajakfahrenOder einfach nur dasitzen undDen Ausblick geniessenDie Mobilefirmen prägen die StadtbilderHier ein Haus in MbaleAuch Fahrradfahrer gibt es vieleDie alles mögliche transportierenMit Astrid und ein paar bewaffneten Führern und TrägernMachten wir uns auf den Mt. Elgon zu besteigen

Alle 53 Fotos ansehen